Das Leitner-System: fünf Boxen statt einem großen Stapel

Karteikarten funktionieren – aber nur, wenn du die richtigen zur richtigen Zeit in der Hand hast. Genau das regelt das Leitner-System: Jede Karte wandert je nach deiner Antwort durch fünf Boxen mit wachsenden Wiederholungsabständen. Was sitzt, kommt seltener. Was wackelt, kommt morgen wieder.

Statistik-Screen der App mit der Verteilung der Karten über die fünf Leitner-Boxen

Wie es funktioniert – in drei Regeln

Das ganze Verfahren, das Sebastian Leitner in den Siebzigern mit einem Holzkasten und fünf Fächern beschrieben hat, lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen. Mehr ist es nicht.

  1. Jede neue Karte startet in Box 1

    Und Box 1 wird täglich abgefragt – hier liegt alles, was du noch nicht sicher kannst.

  2. Richtig beantwortet? Eine Box weiter

    Damit verlängert sich der Abstand bis zur nächsten Wiederholung – von einem Tag über zwei, vier und neun Tage bis auf dreißig.

  3. Falsch beantwortet? Zurück auf Box 1

    Kein schrittweises Zurückrutschen, sondern ganz nach vorn. Eine Karte, die du nicht konntest, verdient wieder die volle Aufmerksamkeit.

Die fünf Boxen und ihre Intervalle

Das sind exakt die Abstände, mit denen die App rechnet. Eine Karte gilt als fällig, sobald seit der letzten Bewertung das Intervall ihrer Box vergangen ist – Karten, die du noch nie beantwortet hast, sind sofort dran.

  1. Box 1 1 Tag

    Alles Neue und alles, was du gerade falsch beantwortet hast.

  2. Box 2 2 Tage

    Einmal sicher gewusst – der Abstand wächst.

  3. Box 3 4 Tage

    Sitzt langsam. Du siehst die Karte nur noch alle paar Tage.

  4. Box 4 9 Tage

    Fast im Langzeitgedächtnis, taucht nur noch selten auf.

  5. Box 5 30 Tage

    Gelernt. Kommt einmal im Monat zur Auffrischung zurück.

Die Balkenlänge entspricht dem jeweiligen Intervall: Eine Karte in Box 5 begegnet dir dreißigmal seltener als eine in Box 1 – bei gleichem Lernaufwand pro Tag bedeutet das, dass du deine Zeit fast vollständig in das steckst, was du noch nicht kannst.

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Warum das besser wirkt als Pauken

Wer einen Themenbereich an einem Abend fünfmal hintereinander durchgeht, kann ihn an diesem Abend – und drei Wochen später nicht mehr. Der Grund ist banal: Beim fünften Durchgang ist nichts mehr zu erinnern, der Stoff steht noch im Kurzzeitgedächtnis. Erinnern wird erst dann zur Übung, wenn zwischen den Wiederholungen genug Zeit vergeht, dass du tatsächlich nachdenken musst.

Genau diese Lücke baut das Leitner-System systematisch ein – und macht sie größer, je sicherer du wirst. Der zweite Effekt ist ebenso wichtig: Du entscheidest nicht selbst, was du wiederholst. Wer das tut, wiederholt erfahrungsgemäß das, was er schon kann, weil es sich gut anfühlt.

Was das für deine Prüfungsvorbereitung heißt

Nach ein paar Wochen liegen die meisten Karten in höheren Boxen – dein tägliches Pensum wird kleiner, während dein Wissen wächst. Einen Lernplan brauchst du dafür nicht: Du öffnest die App und arbeitest ab, was heute ansteht. Alles, was du falsch beantwortet hast, kommt von selbst zurück, ohne dass du es dir merken oder notieren müsstest.

Und du siehst, wo du stehst. Die Statistik zeigt die Box-Verteilung je Themenbereich – also nicht nur, wie viel du gelernt hast, sondern wie sicher. Genau das ist der Unterschied zwischen „durchgearbeitet“ und „sitzt“.

Lernkarte nach dem Umdrehen: die Antwort mit den Knöpfen „Falsch“ und „Richtig“

Ein Tipp dreht die Karte um, ein Wisch nach links oder rechts bewertet sie. Mehr Bedienung braucht es nicht – den Rest übernimmt das System.

Eine Karte über vier Wochen

So sieht der Weg einer einzelnen Karte aus – hier eine, bei der es einmal schiefgeht:

  1. Tag 1 Neue Karte, Box 1. Richtig beantwortet → Box 2.
  2. Tag 3 Fällig aus Box 2. Wieder richtig → Box 3.
  3. Tag 7 Fällig aus Box 3. Diesmal daneben → zurück auf Box 1.
  4. Tag 8 Schon wieder dran. Richtig → Box 2.
  5. Tag 10, 14, 23 Box 2, 3, 4 – der Abstand wächst mit jedem Treffer.
  6. Ab Tag 32 Box 5. Nur noch alle 30 Tage zur Auffrischung.

Ohne System hättest du diese Karte entweder viel zu oft gesehen – oder nach dem Fehler an Tag 7 nie wieder.

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Häufige Fragen zum Leitner-System

Ist das Leitner-System dasselbe wie Spaced Repetition?

Das Leitner-System ist die einfachste und älteste Form davon. Statt für jede Karte ein individuelles Intervall zu berechnen, arbeitet es mit fünf festen Stufen. Das Ergebnis ist dasselbe – wachsende Abstände zwischen den Wiederholungen –, nur ohne Blackbox: Du siehst jederzeit, in welcher Box eine Karte steckt und warum sie heute dran ist.

Was passiert, wenn ich ein paar Tage nicht lerne?

Nichts geht verloren. Fällige Karten stapeln sich, bis du wieder anfängst – keine Karte fällt zurück, nur weil du pausiert hast. Boxen und Fortschritt bleiben genau so, wie du sie verlassen hast.

Muss ich jeden Tag alle Karten durchgehen?

Nein, genau das ist der Punkt. Du siehst nur die Karten, deren Wiederholung heute ansteht. Am Anfang sind das viele, nach ein paar Wochen deutlich weniger – obwohl du mehr kannst als vorher.

Was ist, wenn ich mir bei einer Antwort unsicher war?

Dann bewerte sie als falsch. Eine Karte, die du nur „so halb“ wusstest, ist in der Prüfung keine sichere Karte. Sie zurück in Box 1 zu schicken kostet dich eine Wiederholung – sie fälschlich weiterzuschieben kostet dich womöglich Punkte.

Kann ich gezielt meine Fehler üben?

Ja. Die App führt alle Karten, die du schon einmal falsch beantwortet hast, als eigenen Stapel – „Lücken schließen“ auf dem Dashboard. Damit übst du gezielt das, was noch nicht sitzt, unabhängig davon, wann die nächste reguläre Wiederholung fällig wäre.

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